Nach dem Einsturz des Historischen Stadtarchivs in Köln
konzentrieren sich die Helfer auf die Bergung unersetzlicher
Kulturschätze und die Suche nach zwei Vermissten. Die
Staatsanwaltschaft leitete Ermittlungen ein.
Zum Hergang des Unglücks am Vortag sagte der Kölner Feuerwehrchef
Stephan Neuhoff am Mittwoch (04.03.2009), in einer Baugrube für die
Erweiterung der U-Bahn sei eine Öffnung entstanden, in die Erde
nachgerutscht sei. Dadurch sei dem Archivgebäude der Boden entzogen
worden. Es verlor seine Standfestigkeit und kippte nach vorne auf
die Straße und in die Baugrube. Zwei benachbarte Wohnhäuser wurden
weitgehend mitgerissen. Im Dachgeschoss eines dieser Häuser wohnten
die beiden Vermissten. Sollten sie tatsächlich unter den Trümmern
liegen, gehe ihre Überlebenschance "gegen Null".
Beton soll Boden stabilisieren
Um mit dem Abtragen des Schuttberges beginnen zu können, sind - so
Neuhoff weiter - komplizierte Sicherungsarbeiten erforderlich. Zur
Stabilisierung des Bodes wurden bereits hunderte Kubikmeter Beton in
die U-Bahn-Baugrube geleitet. Kölns Oberbürgermeister Fritz Schramma
stellte den weiteren U-Bahn-Ausbau in Frage. Er halte diesen "jetzt
für fast unverantwortlich". Es müsse grundsätzlich darüber
nachgedacht werden, "ob man in Zukunft U-Bahn-Bauten in einer
bewohnten Stadt in dem Maße durchführen kann und soll", sagte der
CDU-Politiker bei einem Besuch am Unglücksort. Die
Staatsanwaltschaft ermittelt inzwischen gegen Unbekannt wegen des
Verdachts der Baugefährdung und fahrlässigen Körperverletzung.
"Enormer geistiger Verlust"
Weiter unklar ist der genaue Ausmaß des Schadens für das Historische
Archiv. "Es handelt sich um fast 30 Regalkilometer mit kostbaren
Handschriften, Plänen und Dokumenten, deren Versicherungswert 400
Millionen Euro beträgt", sagte Kölns Kulturdezernent Georg Quander.
Gar nicht zu bemessen sei der enorme geistige Verlust. "Im
schlimmsten Fall ist der Schaden größer als beim Brand in der
Anna-Amalia-Bibiliothek in Weimar", meinte Quander. Dort waren 2004
insgesamt 50.000 Bücher verbrannt und mehr als 60.000 Bände
beschädigt worden.
Die Klassik Stiftung Weimar bot dem Stadtarchiv unterdessen
Unterstützung bei der Rettung der kostbaren Unterlagen an. Die
Katastrophe von Köln zeige erneut, dass es unverzichtbar sei, die
Aufmerksamkeit für den Wert des schriftlichen Kulturguts zu stärken,
erklärte die Stiftung. (wa)
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